Geschichte

Mehr als 70 Jahre Pudelgeschichte DEUTSCHER PUDEL-KLUB E.V. (DPK) in HAMBURG

Dame mit Pudeln

Dame mit Pudeln

Die heutige Bezirksgruppe Hamburg des Deutschen Pudel-Klub geht auf eine Gründung der Landesgruppe „Niedersachsen“ zu Pfingsten 1921 in unserer Hansestadt zurück. Initiator war Ludwig Müller, Schwerte, ein begeisterter Pudelfreund, Züchter, Zuchtrichter und rühriger Organisator.
Er war seinerzeit allerdings noch Mitglied im Internationalen Pudel Verein (I.P.V.) und auch dessen Schriftführer, doch wurde die jahrelange Coexistenz mit dem (älteren) Deutschen Pudel Klub bereits ein Jahr später, also 1922, durch die Fusion des IPV mit dem DPK beendet. Geschäftsführender Vorsitzender des DPK wurde der IPV¬Vorsitzende (bis 1945) Franz Bazille, Stuttgart, dem nicht nur der Deutsche Pudel Klub viel verdankt, sondern die gesamte Kynologie, besonders in der Organisation und im Ausstellungswesen.
In seinem Bericht über die Gründungsversammlung in Hamburg schreibt Ludwig Müller, wie freudig überrascht er war, in der „Hansa“ 15 Pudel und mindestens doppelt so viele Pudelfreunde angetroffen zu haben. Als Vorsitzende wurde Frau Maria Brandmeier gewählt und die erste Versammlung der neuen Gruppe auf Sonntag, den 5. Juli ins Kolonial Hotel, Bes. Schriftführer Georg Meyer, einberufen. Der Bereich der LG Niedersachsen umfasste ein Gebiet von der dänischen Grenze bis Hannover und von Mecklenburg bis etwa Wilhelmshaven.

Gesellschaft mit Pudeln

Gesellschaft mit Pudeln

Die Anzahl der Klubmitglieder und die der dazugehörigen Pudel erscheint uns heute geradezu lächerlich gering. Zu der damaligen Zeit besaß der Pudel aber wenig Popularität und es war das allergrößte Anliegen des Deutschen Pudel-Klubs und seiner Mitglieder, für den Pudel wieder einen größeren Liebhaberkreis zu gewinnen. Ausstellungen und Umzüge mit den Pudeln waren dabei wichtige Werbeveranstaltungen in der Öffentlichkeit. Die anfängliche Mitgliederzahl steigerte sich nur langsam, Mitte des Jahres 1930 betrug sie 23. Das Klubleben spielte sich in einer ganz anderen Form ab, als wir es heute kennen. Die kleine Schar von Mitgliedern bildete eine richtige „Pudel Familie“. Es war Ehrensache sich gegenseitig zu helfen, wenn ein Mitglied unverschuldet in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen war und die Hundesteuer nicht aufbringen konnte oder sonstige Notsituationen eingetreten waren. Ein Tierarzt unter den Mitgliedern, behandelte kranke Pudel kostenlos.
Er gab den Mitgliedern auch Anschauungsunterricht und öffnete verendete Tiere, die aus ungeklärter Ursache eingegangen waren. Auf diese Weise vermittelte er den Züchtern Wissen. Die Veterinärmedizin steckte damals noch sehr in den Anfängen, so gab es z.B. noch keine Staupeschutzimpfung. Ein rostiger Nagel im Trinkwasser, so meinten die damaligen Züchter, würde die Hunde vor der Staupe bewahren. Ein Irrglaube, der sich bis in die 50er/60er Jahre gehalten hatte. Die ordnunsgemäße Zucht wurde überwacht, wobei es auch zu gelegentlicher Zuchtsperre kam. Ebenso gehörte die Arbeit für den Tierschutz zu den Obliegenheiten einiger energischer und beherzter Mitglieder. Mit einem entsprechen Ausweis versehen, wurde von diesen ehrenamtlichen Helfern manche bedauernswerte Kreatur von ihrem Leiden erlöst.

Pudel Munito

Pudel Munito

(Aus alter Zeit: „MUNITO“ war ein berühmter dressierter Pudel, der in den Jahren 1814-1818 in London und Paris seine Kunststücke zeigte.)
Die Mitglieder trafen sich oftmals jede Woche einmal. Offiziell jedoch, gehörten 2 Tage im Monat dem Klubleben. Ausflüge ins Grüne waren sehr beliebt. Die Hunde konnten sich nach Herzenslust austoben, während ihre Frauchen und Herrchen im Freien an der Kaffeetafel saßen. Abends dann ließ man sich in einem bäuerlichen Gasthof ein Schinkenbrot munden. Man hatte noch Zeit damals und viel Spaß daran, seinem lernbegierigen Pudel allerlei Kunststückchen und Harlekinspossen beizubringen. So gab es eine weiße Großpudeldame, mit dem klangvollen Namen „Geisha“, die im Stand in 2,20 m Höhe durch einen Rahmen von 43 cm im Quadrat sprang. Ein schwarzer Großpudelrüde war von seinem Herrn abgerichtet einen Betrunkenen zu imitieren und zwar mit allen Nuancen die man sich darunter vorstellen kann. Unter den Mitgliedern war ein Schiffseigner, der in der schönen Jahreszeit seine Barkasse fast jeden Sonntag kostenlos zur Verfügung stellte.
Man fuhr auf der Elbe nach Cranz, Stade oder sonst einem idyllischen Fleckchen am Elbufer und diese Ausflüge mit den Hunden brachten viele frohe Stunden. Fast immer gab es dabei erheiternde Zwischenfälle mit den Vierbeiner, z.B. wenn ein schneeweißer Königspudel nach dem Besuch einer Kuhweide grüngefleckt wiederkam, oder ein übereiliger Hund das Landemanöver nicht abwarten konnte und plötzlich in die Elbe platschte. Zur Zeit der Gründung der Landesgruppe waren die Nachwirkungen des 1. Weltkrieges noch lange nicht überwunden und die Inflationszeit bahnte sich an. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland waren Aufzucht und Verkauf von Pudeln nicht einfach, die Tiere wurden oft nur gegen Erstattung der reinen Futterkosten abgegeben. In der Zucht herrschte der Großpudel vor, besonders die Weissen waren sehr beliebt. Es wurden jedoch auch kleine Pudel gezüchtet, wie z.B. von Ludwig Müller unter seinem Zwingernamen „Vom Siegerheim“. Die Zwergpudel der damaligen Zeit entsprachen aber meistens kaum dem gewünschten Standard.
Die Mitgliederzahl innerhalb der LG stieg weiter und betrug 1932 etwa 50. Der Gesamtklub hatte am 1.1.1930 eine Anzahl von 448 Mitgliedern. Zu frühen Gönnern und aktiven Mitgliedern zählten in Hamburg vor allem Herr Dr. Dörstling als Zuchtwart und seine Frau Hedwig als erfolgreiche Großpudel Züchterin (Zwinger „Vom Mönchshof“), die sich seit der Gründung der Landesgruppe ganz in den Dienst für den DPK stellten. Herr Dr. Dörstling war kostenlos als juristischer Berater innerhalb der LG tätig und hochherzig beglich er aus eigener Tasche durch Ausstellungen oder andere Veranstaltungen der Klubkasse entstandene Defizite, auch unterstütze er notleidende Klubmitglieder.

Johannes Brügge Vorstandsmitglied des Deutschen Pudel-Klub

Johannes Brügge

Ebenfalls großen Dank schuldet Hamburg dem unvergessenen Johannes Brügge. Er erfüllte sich seinen Jugendtraum mit dem Erwerb eines weißen Großpudelrüden im Jahr 1932. Für DM 50,00 kaufte er beim Züchterehepaar Wenzel und Anni Petr in Hamburg seinen wunderschönen späteren Champion „Karo vom Alsterufer“. Kurz darauf trat Johannes Brügge dem Deutschen Pudel-Klub bei, wurde sehr bald Vorstandsmitglied und widmete fortan seine Freizeit den Belangen des Klubs.